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Cindy Nökel: Wandlerin zwischen den Welten

Karlsdorf-Neuthard (DFBL/rkf) — Im Faustball haben die deutschen Frauen ihren Europameister-Titel verteidigt. Bei der EM im baden-württembergischen Karlsdorf nahm Cindy Nökel (SG Bademeusel) im Angriff eine Schlüsselrolle ein. Mit dem Nationalteam setzte sie sich am Sonntag in einem hart umkämpften Spiel mit 3:2 Sätzen gegen die Schweiz durch.

Cindy Nökel (Deutschland) von der brandenburgischen SG Bademeusel macht mit ihren Angaben Druck . Foto: DFBL/Andreas Einbock

Cindy Nökel (Deutschland) von der brandenburgischen SG Bademeusel macht mit ihren Angaben Druck . Foto: DFBL/Andreas Einbock

Bei der Europameisterschaft in Karlsdorf stand die Brandenburgerin Cindy Nökel in allen drei Spielen der Deutschen von der ersten bis zur letzten Sekunde auf dem Feld. Gegen die Schweiz reichte es zwei Mal zu einem Fünfsatz-Sieg, beim 3:1 am Samstag gegen Österreich wurde es ebenfalls schon relativ knapp. "Für die Angabe hätte es schon Alternativen gegeben, schließlich sind wir drei Schlagleute", sagte Cindy Nökel nach dem Ende der EM und fügte hinzu: "Aber ich hatte das Vertrauen der Bundestrainerin."

Mit ihren Aufschlägen war Cindy Nökel allenfalls bedingt zufrieden. Ihre selbstkritische Einschätzung bestätigte indirekt die Meinung einiger Experten, die im Finale einen Wechsel gefordert hatten. Nach einer 2:1-Satzführung erlebten die Deutschen im vierten Durchgang einen Einbruch, im entscheidenden Satz gab es dann ein 11:4. "Man hätte schon wechseln können. Doch immer, wenn sich die Ersatzspielerinnen gerade vorbereitet haben, lief es dann doch wieder besser", sagte Bundestrainerin Silke Eber. Unterdessen kam die 22 Jahre alte Nökel rückblickend zum Schluss: "Ich habe in jedem Satz gleich mit einem Angabefehler angefangen, auch schon am Samstag." Alles in allem zeigte sie aber eine gute Leistung. Als sich im Finale auch Mitspielerin Janine Mertsch vom Schweizer Meister STV Schlieren schwer tat, fiel Cindy Nökel mehr und mehr Verantwortung zu. "Cindy hat gezeigt, dass wir uns auf sie verlassen können", sagte Mitspielerin Mertsch nach dem glücklichen Ende, das von der ganzen Mannschaft ausgelassen gefeiert wurde.

Cindy Nökel meinte allerdings, dass es für sie beim EM-Sieg 2007 in Salzburg besser gelaufen sei. Damals sei sie mit ihren Angaben besser zur Geltung gekommen. Was in einem Jahr ist vermag die Hörgeräte-Akkustikerin noch nicht zu sagen. Sicher ist, dass sie bald nicht mehr in Senftenberg, sondern in Bremen arbeiten wird. Noch in diesem Jahr dürfte der Umzug anstehen. Einen genauen Termin konnte die Schlagfrau der SG Bademeusel aber nicht nennen. Das größere Problem als der Ortswechsel wird in sportlicher Hinsicht ohnehin werden, dass sie ab dem Frühjahr 2009 für zwölf Monate die Meisterschule besucht. Cindy Nökel sagt, dass sie auch am Wochenende Schule haben wird. Inwieweit sie dann spielen kann, ist offen.

Die junge deutsche Angreiferin erwägt, bei Bremen-Blumenthal vorstellig zu werden, um dort zumindest mitzutrainieren. BLumenthal ist allerdings nicht mehr in der ersten Liga vertreten, anders als etwa der nicht allzu weit von Bremen entfernt beheimatete deutsche Meister und Europapokalsieger Ahlhorner SV, der am Wochenende die halbe Nationalmannschaft stellte.

Nach einer kurzen Pause steht aber ohnehin die vom Sportlichen her noch weniger bedeutende Hallen-Saison an. Diese möchte Cindy Nökel für den VfL Güstrow aus Mecklenburg-Vorpommern bestreiten. Aus Güstrow stammt übrigens Marie Theres Warnick mit der die Lausitzerin Nökel beim 3:1 gegen Österreich zusammen spielte. Danach musste Warnick, die ebenfalls dem Jahrgang 1986 angehört, weichen.

Noch vor einer Woche bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft im sächsischen Hirschfelde hatte Marie Therese Warnick ihren neuen Verein Ahlhorner SV zur Titelverteidigung geführt. Da hatte sich Cindy Nökel nicht in Szene setzen können, denn die SG Bademeusel verpasste durch ein deprimierendes 0:3 gegen den TSV Dennach das Halbfinale. Als einzige Waffe im Angriff des Teams aus Brandenburg hatte auch Cindy Nökel wenig ausrichten zu können. "In Bademeusel bin ich Schlagfrau: Natürlich kann ich theoretisch die Angabe genauso schlagen wie zum Beispiel in der Nationalmannschaft. Im Grunde ist das aber ein ganz anderes Spiel", sagte Cindy Nökel angesprochen auf den Vergleich zwischen EM und DM. Mit Bademeusel überhaupt zur Endrunde zu kommen sei ein schöner Erfolg gewesen: Erst Anfang September war das Team in der ersten Bundesliga Nord im Endspurt der Qualifikation vom siebten auf den wichtigen dritten Platz gesprungen. "Ich sage es immer so: In Bademeusel zu spielen und in der Nationalmannschaft, das sind eigentlich zwei verschiedene Welten."

Eine Woche nach der angesichts von Platz 4 enttäuschend verlaufenen EM konnten zwei Spieler des VfK Berlin aus Charlottenburg die Feldsaison mit einem Erfolgserlebnis beenden. Angreifer Lukas Schubert und Abwehrspieler Sascha Zaebe wurden - ebenfalls in Karlsdorf - in der Altersstufe U 21 zum dritten Mal Europameister. Den Titelgewinn sicherte sich der deutsche Nachwuchs am Sonntag als 3:1-Finalsieger gegen die Schweiz. Zum erfolgreichen Team gehörte auch Abwehrmann Sebastian Kammer, der beim VfK groß geworden ist, als Student inzwischen aber für den TSV Jona in der Schweiz spielt.