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EM-Splitter - Zwischen Nostalgie und Konfusion

Karlsdorf-Neuthard (DFBL/rkf) — Während der Europameisterschafts-Tage im Faustball in Karlsdorf-Neuthard ist auch am Rande die eine oder andere Beobachtung zu machen gewesen. Das DFBL-Medienteam hat sie notiert.

- Bei der Europameisterschaft betreute Rainer Frommknecht vom TV Waibstadt als Ansager die Spiele der Junioren. Doch auch beim Eröffnungsspiel zwischen den Frauen aus der Schweiz und Österreich war der 34 -jährige Faustballer im Sprecher-Häuschen gefordert. Frommknecht konnte gleich elanvoll in das Turnier starten. Dass während der Spielpausen immer wieder Live is live" von der österreichischen Gruppe Opus eingespielt wurde, ließ Erinnerungen an die Jugendzeit in ihm wach werden. Mitte der 80er Jahre bei der Fahrt ins Winter-Schullandheim nach Wörgl in Tirol habe man nichts anderes gehört. Ein Mitschüler habe das Lied damals etwa 30 Mal hintereinander auf Kassette aufgespielt.

- Bei den meisten EM-Spielen der Frauen übernahm in Karlsdorf Harald Muckenfuß die Ansage. Obwohl ein ausgewiesener Faustball-Experte,musste sich der Trainer der Frauen vom TV Bretten (vor einer Woche Zweiter der DM) immer wieder sehr konzentrieren, um auf dem laufenden zu bleiben. Vor allem mit dem Stichwort Auswechslungen waren immer wieder spannende Fragen verbunden. Haben die einen gewechselt? Oder die anderen? Oder die beiden? Wenn die soundso reingekommen ist, wer ist denn dann nur herausgegangen. Muckenfuß war nicht der Einzige, der sich wünschen würde, dass man Wechsel in Zukunft mit Nummern-Täfelchen (wie bei der WM 2007 in Oldenburg) angezeigt werden.

- Eine weitere mit Interesse verfolgte Frage war auch bei der Europameisterschaft der Frauen und Junioren die nach dem Spielsystem. So fragte sich am Sonntag der eine oder andere Kenner des Sports, ob bei der Titelvergabe nicht vielleicht vier statt drei Gewinnsätze nötig sein könnten, um den Sieg davonzutragen. Selbst ein Spieler fragte am zentralen Anlaufpunkt der EM, an der Ansager-Hütte, nach, ob bei den abschließenden Spielen vier Gewinnsätze nötig seien. In Deutschland war am Ende der Hallen-Saison diskutiert wurde, ob bei einer Meisterschaft nach dem Modus Best-of-seven gespielt werden solle, wenn für die Mannschaften anders als während der Vorrunde kein anderes Spiel an diesem Tag ansteht.

- Bei der Karlsdorfer Doppel-Europameisterschaft griff hie und da auch Florian Riffel zum Mikrofon. Er bediente in der Sprecher-Hütte hauptsächlich die Technik. Am Sonntagmorgen erlebte er einen Schreckensmoment, als sich herausstellte, dass einige Einstellungen über Nacht verändert worden waren. Vor dem Finale der Frauen sah er sich dann mit einer Anfrage des Musikvereins Karlsdorf konfrontiert. Kurz vor dem Auftritt des Musikvereins erkundigte sich Dirigent Jürgen Luft bei Riffel. "Es ist noch kein Tenorhorn da, hast du deines dabei?" Riffel verneinte. "Es wäre jetzt aber auch wirklich nicht gegangen", sagte der 23 Jahre alte Vermögensberater, der in der ersten Karlsdorfer Männermannschaft (zweite Bundesliga) spielt. Gespielt hat dann auch der 50 Personen starke Musikverein: Bevor es um die EM-Titel ging, intonierten die Musiker die deutsche und die schweizer Nationalhymne.

- Das Thema Geld spielt auch im Faustball eine immer größere Rolle. Unglücklicherweise geht es nicht selten, aber um jenes Geld, dass man nicht (mehr) hat. Nachdem vor zwei Wochen bei der Männer-EM in Stuttgart etliche Geldbörsen verloren und am Sprecherplatz abgegeben wurde, hatte Jasmin Neulinger vom TV Bretten vor einer Woche eine stattliche Summe Bargeld gefunden. Auf der Damentoilette in Hirschfelde entdeckte die Lehrerin während der DM-Endrunde zwei 50 Euro-Scheine, einen Zwanziger und einen Zehner und übergab die 130 Euro sogleich dem Oberhaupt der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) , Ulrich Meiners aus Ahlhorn. Die Frau, die das Geld verloren hatte, konnte später die Summe und die Anzahl der jeweiligen Scheine nennen und so wieder an das verloren geglaubte Geld kommen. Ein solches Happy-End blieb einigen Mitgliedern der deutschen Delegation nun bei der EM in Karlsdorf versagt. Wie sich herausstellte, waren jene Geldbörsen, die am Samstag am Ansager-Häuschen abgegeben wurden, nicht verloren worden: Die gähnende Leere im Fach für die Scheine erlaubte nur den Schluss, dass die Portemonaies in der Kabine entwendet, dann geplündert und weggeworfen worden waren.

- Während der Doppel-Europameisterschaft in Karlsdorf fehlte auf dem Feld eine lokale Faustball-Größe. Am Donnerstagabend immerhin hatte aber Christina Grüneberg, beim TSV Karlsdorf in der 1. Bundesliga Süd vielseitig verwendbar, mit der deutschen Frauen-Auswahl trainieren können. Eingeladen worden waren alle Spielerinnen ihrer mittlerweile auf die Minimalgröße von fünf Personen zusammengeschrumpfte Mannschaft. Im Gegensatz zu Spielführerin Grüneberg waren alle anderen aber nicht abkömmlich gewesen. Eigentlich hätte auch Christina Grüneberg arbeiten müssen. Da die Sportwissenschafts-Studentin zur Zeit aber als Praktikantin beim Badischen-Handball-Verband ist, durfte sich die 21-Jährige kurzfristig dem Sport widmen. Die Nationalspielerinnen kenne sie hauptsächlich von den in früheren Jahren teilweise gemeinsam besuchten Jugendmeisterschaften. Mit einem Mitglied des Teams wird sie bald aber mehr zu tun haben: Kerstin Schmidt, die deutsche Physiotherapeutin, möchte wieder aktiv werden. Sie soll künftig Karlsdorf verstärken. Christina Grüneberg sagte allerdings, dieser Zugang sei nicht erst eine Folge der jüngsten Kontaktaufnahme mit dem Nationalteam. Während der EM spielte Christina Grüneberg eine Nebenrolle. Sie hatte Einsätze als Linienrichterin, bediente zeitweise aber auch die Anzeigetafel.